Waldbauverein Otterberg in Oberfranken

Der Waldbauverein Otterberg reiste Mitte September 2026 mit über vierzig Mitgliedern zur großen Waldbauexkursion nach Oberfranken. Im Stadtwald Kulmbach wurde die Gruppe von der Revierleiterin Carmen Hombach begrüßt. Sie führte die interessierten Teilnehmer:innen durch das Klima-Arboretum im Nordwesten von Kulmbach unter der Initiative Zukunftswald Bayern. Hier wurden 17 verschiedene Baumarten gepflanzt und zwar möglichst bestandesbildend auf der Freifläche (nach Prof. Dr. Christian Kölling: „fränkische Löcher“), also nicht als Einzelbäume. Man erhofft sich hierbei auch, dass durch die Entnahme der „Wasserfresser“ die Kulturpflanzen mehr Wasser bekommen, etwa im Gegensatz zur Schirmstellung. So sollen die Bäume besser gegen den Klimawandel gewappnet sein. Neben exotischen Baumarten wie Atlas- und Libanonzeder (Cedrus atlantica und libani), Zuckerahorn (Acer saccharum) waren auch bekannte Arten wie beispielsweise Nordmannstanne (Abies nordmanniana) oder Esskastanie (Castanea sativa). Da Frau Hombach in Personalunion auch 1. Vorstand der Waldbesitzervereinigung (WBV) Kulmbach-Stadtsteinach ist, konnte sie zusätzliche Informationen dazu geben. Die WBV vertritt ca. zweitausend private, kommunale und kirchliche Waldeigentümer im Landkreis Kulmbach. Sie verkauft etwa fünfzigtausend Festmeter pro Jahr überwiegend an die ortsansässigen Sägewerker.

Eine weitere Führung im Wald wurde im Wasserschutzgebiet der Stadtwerke Kulmbach durchgeführt. Es umfasst ca. 350 ha incl. Landwirtschaftsflächen. Die derzeitige Nadelholzanteil von etwa achtzig Prozent soll mittelfristig auf fünfzig Prozent zugunsten der Laubhölzer reduziert werden. Das anstehende Gestein ist Gneis. Dieser verspricht eine gute Wasserqualität und eine solche ist natürlich für die zahlreichen Brauereien notwendig. Schon 1880 stellte man fest, dass das Wasser, das damals neben den Haushalten auch für die Textilindustrie gebraucht wurde, nicht ausreichen werde. Und so begann man schon ab 1890 mit Flächenankäufen, die bis heute andauern, um die mit vielen Restriktionen verbundene Bewirtschaftung im Wasserschutzgebiet selbst in die Hand zu nehmen. Vorhanden sind 63 Quellfassungen und zahlreiche Wasserleitungen.

Neben diesen beiden Hauptthemata Klima und Wasser, die sicherlich noch an Brisanz  zunehmen werden, standen wie immer auch kulturelle Höhepunkte auf dem Programm: die Städte Kulmbach und Bayreuth inklusive Festspielhaus, die vielleicht älteste Wallfahrtskirche Marienweiher und das Barockjuwel Vierzehnheiligen. Eine Brauereibesichtigung einer kleinen Brauerei durfte natürlich in Oberfranken (auch „Bierfranken“ genannt) nicht fehlen.

In Hermes, einem kleinem Weiler zu Marktleutgast gehörend war die Gruppe bestens und vor allem ruhig untergebracht und wurde mit fränkischen Spezialitäten verwöhnt.

Auf der Heimreise wurde noch ein Zwischenstopp in der weltbekannten Mittelalterstadt Rothenburg ob der Tauber eingelegt. Somit dürften sich die meisten Teilnehmer:innen jetzt schon auf eine weitere große Waldbaulehrfahrt im nächsten Jahr freuen.
Text und Fotos von Markus Gatti.

Festspielhauis in Bayreuth
Vierzehnheiligen